Connected Commerce: Wie CJ die Zukunft des KI-gestützten Shoppings sieht

– Interview mit Tobias Allgeyer (CJ) – 
Künstliche Intelligenz verändert den digitalen Handel – und damit auch die Rolle von Affiliate Marketing. Mit den neuen Funktionen von ChatGPT entstehen völlig neue Customer Journeys, in denen Produktsuche, Beratung und Checkout nahtlos verschmelzen. Doch was bedeutet das für Publisher, Advertiser und das gesamte Affiliate-Ökosystem?
Im Interview erklärt Tobias Allgeyer, SVP EMEA bei CJ, warum KI für die Branche keine Bedrohung ist, sondern neue Chancen eröffnet, wie Affiliate-Inhalte bereits heute die Basis vieler KI-Empfehlungen bilden und wie sich Tracking, Attribution und Connected Commerce weiterentwickeln. Ein Blick hinter die Kulissen einer Branche, die KI nicht fürchtet – sondern gestaltet.

Über den Autor

Tobias Allgeyer

Tobias Allgeyer

CJ

Als Senior Vice President, EMEA, leitet Tobias das Business von CJ in den Märkten DACH, France, Spain und Nordics. Darüber hinaus verantwortet er die Geschäfte für die Märkte Osteuropa und MENA. Tobias startete im Jahr 2010 seine Karriere bei CJ. Zuvor hatte er verschiedene Senior Management Positionen auf Publisher- als auch Netzwerkseite inne.

CJ gehört zu Publicis Media und bietet durch umfassende Daten, innovative Technologie, strategische Partnerschaften und langjährige Expertise einen ganzheitlichen und kundenorientierten Ansatz rund um Social Commerce, Marketplaces, Affiliate und Leadgenierung.

Tobias, welchen Trend beobachtest du aktuell im Bereich KI – insbesondere bei ChatGPT?

Tobias: ChatGPT lernt gerade etwas vollkommen Neues: Transaktionen durchzuführen. In einer Ankündigung von OpenAI hieß es, dass über 700 Millionen Menschen ChatGPT wöchentlich nutzen, um alltägliche Aufgaben zu erledigen – dazu gehört inzwischen auch die Produktsuche. Jetzt geht ChatGPT noch einen Schritt weiter und unterstützt Konsumenten bereits beim Kauf selbst.
Das geschieht über das „Instant Checkout“, betrieben durch das Agentic Commerce Protocol (ACP), das gemeinsam mit Stripe entwickelt wurde.

Bereits heute können Nutzer in den USA – egal ob ChatGPT Plus, Pro oder sogar kostenlos – direkt bei Etsy-Verkäufern einkaufen. Über eine Million Shopify-Händler folgen demnächst. Noch sind nur Einzelartikelkäufe möglich, doch Warenkörbe und zusätzliche Märkte stehen bereits auf der Roadmap.

Birgt das nicht Risiken für die Affiliate-Branche?

Tobias: Affiliate Marketing ist weitaus mehr als ein Klickgenerator. Die Branche bietet Konsumenten verlässliche Orientierung – von authentischen Expertenrezensionen über Produktvergleiche bis hin zu Cashback- und Gutschein-Portalen, die Transparenz schaffen. Diese Inhalte helfen Menschen, gute Entscheidungen zu treffen: welches Produkt, welcher Anbieter, welche Konditionen für sie Sinn machen.

Und eigentlich ist Affiliate längst Teil des KI-Ökosystems. Unsere internen Analysen zeigen, dass ein Großteil der Quellen, auf die ChatGPT bei Produktempfehlungen zurückgreift, von Affiliate-Publishern stammt. Ob Reviews, Vergleiche oder praktische Kaufratgeber: Affiliate-Content prägt heute schon maßgeblich die Entscheidungen im KI-gesteuerten Handel.

Wo siehst du die Rolle von Affiliate Marketing zukünftig?

Tobias: Die klassische Customer Journey war bisher in Phasen getrennt: Entdeckung, Recherche, Vergleich – und irgendwann der Kauf. Affiliate hat diese Abschnitte immer geprägt und Kaufabsichten beeinflusst und die Sales nachvollziehbar gemacht.

Durch Open-Source-Frameworks wie das Agentic Commerce Protocol (ACP) und Partnerschaften wie jener zwischen OpenAI und Stripe verschmelzen diese Schritte nun in einer einzigen Oberfläche. Dort, wo das Produkt vorgestellt wird, kann auch direkt gekauft werden.

Das mindert die Bedeutung von Affiliate keineswegs. Es erweitert sie: Vertrauenswürdige authentische Inhalte, Preisvergleiche, Rezensionen und Cashback-Angebote bleiben essenziell für Entscheidungen. Die größte Herausforderung besteht darin, diesen Einfluss direkt im Transaktionsprozess abzubilden – auch dann, wenn kein klassischer Klick mehr stattfindet. Hier müssen etablierte Abrechnungsmodelle neu gedacht werden.

Und wie sieht dann die Customer Journey der Zukunft aus?

Tobias: Konsumenten verlassen sich nie auf nur eine Quelle – und das wird auch künftig so bleiben. Studien zeigen: Vor dem Kauf recherchieren die meisten Menschen zwischen 3 und 7 Quellen, bei teuren Produkten sogar 10 oder mehr. Eine Equativ-Studie von 2025 hat zudem ergeben, dass 66 % der Konsumenten KI-Antworten vor dem Kauf erneut überprüfen.

Auch unsere Daten sprechen dafür: Die meisten durch Publisher beeinflussten Conversions entstehen durch mehrere Interaktionen entlang der gesamten Journey. KI wird ein wichtiger Bestandteil davon – aber nicht die alleinige Instanz. Sie prägt vor allem die Entdeckungsphase, doch Käufer verlassen sich weiterhin auf vertrauenswürdige, von Menschen erstellte Inhalte. Hier bleibt Affiliate zentral.

Hinzu kommt: LLMs werden den gesamten E-Commerce eher vergrößern als Sales nur umzuschichten. Schnellere Entscheidungen und einfachere Entdeckung schaffen zusätzliche Nachfrage. Und da die meisten Journeys ohnehin mehrere Touchpoints beinhalten, profitiert das gesamte digitale Ökosystem.

Ganz konkret: Kann man den Einfluss von KI auf den Geschäftserfolg heute schon messen?

Tobias: Auch wenn mehr Käufe in KI-Umgebungen stattfinden, ändert sich an den Grundlagen des Affiliate-Marketings wenig. Wenn KI einer der Touchpoints der Journey ist, erzeugen Publisher, die früh Einfluss nehmen, weiterhin messbare Klicks.

Mit CJ bleibt so das Tracking gewährleistet: Event-IDs können wie gewohnt durch das System des Advertisers laufen, und die Conversion kann dann serverseitig durch unseren CJ-Tag ausgelöst werden – selbst, wenn die Transaktion vollständig innerhalb eines KI-Interface erfolgt. Und das selbstverständlich datenschutzkonform.

Werbetreibenden bieten wir zudem robuste, automatisierte Wege, ihre Conversion-Events an CJ zu übermitteln. Dadurch können frühere Touchpoints korrekt attribuiert werden – unabhängig davon, ob der Kauf auf der Advertiser-Website oder woanders stattgefunden hat.

Zukünftig könnten Open-Source-Lösungen wie das ACP weitere Datenintegrationen schaffen. Damit könnten Affiliate-Netzwerke und KI-Plattformen gemeinsam erkennen, welche Quellen eine Empfehlung beeinflusst haben und wie dieser Einfluss vergütet wird. Durch das Einbetten von Quellinformationen direkt neben Produkt- und Transaktionsdaten wird die Entscheidungsebene eng mit dem Point of Sale verknüpft – so bleiben Publisher sichtbar und fair vergütbar, auch wenn der gesamte Kaufprozess in der KI stattfindet.

Was versteht ihr in diesem Zusammenhang unter „Connected Commerce“?

Tobias: CJ ermöglicht bereits heute eine umfassende Abbildung der Customer Journey. Unser Customer Journey Reporting zeigt den Einfluss von Touchpoints jenseits des Last Click, während unser Produkt “CJ Influence” Marken mit Creators verbindet und ihren Content-Beitrag kanalübergreifend misst. So erkennen Advertiser, welche Inhalte Entscheidungen wirklich beeinflussen – und können diese fair vergüten, selbst wenn sich Journeys verlagern.

Diese Entwicklung entspricht der Connected Commerce Vision von CJ: Entdeckung, Einfluss und Kauf als nahtlose, zusammenhängende Reise – unterstützt durch ein breites Set an Lösungen.

KI beschleunigt diesen Wandel, indem sie einzelne Schritte in einer Oberfläche vereint. Affiliate bleibt dabei das Bindeglied zwischen vertrauenswürdigen Informationen und den neuen Point of Sales (POS). Affiliate stellt sicher, dass relevante Inhalte weiterhin sichtbar, wertgeschätzt und vergütet werden – unabhängig davon, welchen Kanal oder Check-out ein Nutzer am Ende wählt.

Affiliate zeigt seit jeher, wie und wo Menschen Entscheidungen treffen. Wenn KI sowohl Touchpoint als auch Transaktionsplattform wird und Affiliate gleichzeitig vertrauenswürdige Informationen liefert, bleibt dieser Einfluss messbar – egal wo der Kauf final stattfindet. Entscheidend ist, Partner für ihren Einfluss zu belohnen und die Sichtbarkeit sowie faire Vergütung der entscheidungsrelevanten Inhalte im E-Commerce auch in Zukunft zu sichern.

Ihr habt auf der Affiliate Summit West (ASW) kürzlich einen neuen AI-Service angekündigt. Worum geht es dabei genau?

Tobias: Da die KI-gestützte Suche zunehmend zum zentralen Entrypoint für das E-Commerce wird, müssen Advertiser und Publisher verstehen, welche Rolle sie in diesen Dialogen spielen und wie sie ihre Präsenz dort stärken können. Generative Engine Optimization (GEO) unterstützt Advertiser dabei, in den entscheidenden Momenten präsent zu sein. So erreichen sie Zielgruppen, die möglicherweise nie Ihre Website besuchen oder eine klassische Suchanfrage stellen, aber dennoch aktiv nach Ihren Angeboten suchen. Ab sofort bietet CJ hier seinen Advertisern und Publishern die notwendigen Insights und Handlungsempfehlungen, um ihre Zusammenarbeit zu intensivieren.