Der Stürmer macht nicht alleine das Tor: Warum Affiliate-Vergütung die ganze Customer Journey berücksichtigen sollte

– von Nadine Feldhoff (Telefónica) – 

Wer Fußball liebt, kennt die Situation: Der Stürmer schießt das entscheidende Tor und landet am nächsten Tag auf den Titelseiten. Dabei wäre das Tor ohne die Vorarbeit seiner Mannschaft gar nicht möglich gewesen.

Genau nach diesem Prinzip wird aber im Affiliate Marketing noch heute im Regelfall vergütet. Obwohl entlang einer Customer Journey zahlreiche Partner und auch andere Kanäle zum Erfolg beitragen, erhält meist nur einer die Provision: derjenige mit dem letzten Klick vor dem Abschluss. Alle anderen gehen leer aus. Selbst dann, wenn der eigentliche Kaufimpuls deutlich früher durch einen Affiliate-Partner ausgelöst wurde und der letzte Klick lediglich über eine Suchmaschine oder einen anderen Kanal erfolgt.

Dass dieses Modell also die Realität nur unzureichend widerspiegelt, ist keine neue Erkenntnis. Schon vor über zehn Jahren wurde in der Affiliate-Branche über Attribution diskutiert. Denn Kunden kaufen selten nach dem ersten Kontakt. Sie informieren sich über Inhalte, lesen Bewertungen, vergleichen Angebote, lassen sich inspirieren und treffen ihre Entscheidung oft erst Tage oder sogar Wochen später.

Die Frage war daher nie, ob alle relevanten Touchpoints berücksichtigt werden sollten, sondern wie sich ihre Wertbeiträge technisch belastbar messen und vergüten lassen.

Über den Autor

Nadine Feldhoff

Nadine Feldhoff

Telefónica

Nadine Feldhoff ist Expertin für Performance Marketing, Attribution und MarTech bei Telefónica. Seit über 14 Jahren treibt sie dort die Weiterentwicklung datengetriebener Marketingsteuerung voran und war maßgeblich an der Einführung der attribuierten Affiliate-Vergütung für o2 und Blau beteiligt. Ihr Fokus liegt auf Tracking, Datenschutz und innovativen Technologielösungen.

Von der Attribution zur Vergütung

Dass mehrere Marketing Kontakte an einer Conversion beteiligt sind, wird bei vielen Unternehmen bereits seit Jahren berücksichtigt. Auch bei Telefónica werden Attributionsmodelle seit Langem genutzt, um Marketingbudgets datenbasiert auf Kanäle und Maßnahmen zu verteilen.

Die Übertragung dieses Gedankens auf die Vergütung einzelner Affiliate-Partner ist jedoch deutlich anspruchsvoller.

Während Budgetentscheidungen auf aggregierten Daten basieren können, muss eine Partnervergütung transparent, nachvollziehbar und belastbar sein. Deshalb wurde die Einführung eines attributierten Vergütungsmodells sorgfältig vorbereitet. Die Auswirkungen wurden über einen Zeitraum von mehr als zwölf Monaten simuliert und mit dem bestehenden Last-Touch-Modell verglichen. Erst danach folgte Anfang 2026 eine Testphase mit ausgewählten Affiliate-Partnern. Nach erfolgreichem Pilotbetrieb wurde die attribuierte Affiliate-Vergütung Mitte Mai 2026 für das gesamte Partnerportfolio ausgerollt.

Warum dieser Aufwand? Weil sichergestellt werden musste, dass diejenigen Geschäftsmodelle wachsen können, die entlang der Customer Journey tatsächlich die größten Wertbeiträge leisten. Die attribuierte Betrachtung schafft dabei keine Gewinner und Verlierer, sondern macht lediglich sichtbar, welche Rolle ein Partner tatsächlich innerhalb der Customer Journey einnimmt. Manche Geschäftsmodelle erhalten damit erstmals die Anerkennung für Leistungen, die bislang unsichtbar geblieben sind. Andere gewinnen neue Transparenz darüber, an welcher Stelle der Customer Journey sie den größten Beitrag leisten und wie sie ihre Aktivitäten gezielt weiterentwickeln können.

Jeder spielt eine andere Rolle

Eine Customer Journey funktioniert ähnlich wie eine Fußballmannschaft. Unterschiedliche Spieler übernehmen unterschiedliche Aufgaben und tragen gemeinsam zum Erfolg bei.

Im Affiliate Marketing lassen sich drei zentrale Rollen unterscheiden.

Der Introducer: Das Spiel beginnt

Introducer stehen am Anfang der Customer Journey. Sie machen Nutzer erstmals auf ein Produkt, eine Marke oder ein Angebot aufmerksam.

Dazu gehören beispielsweise Content-Publisher, Advertorials, Influencer oder reichweitenstarke Portale. Ihr Beitrag besteht darin, Interesse zu wecken und neue Zielgruppen zu erschließen.

Ohne Introducer würde ein großer Teil potenzieller Kunden nie in die Journey eintreten.

Der Influencer: Die Vorlage zum Tor

Zwischen erstem Kontakt und Kaufentscheidung liegt oft eine intensive Informationsphase. Kunden vergleichen Angebote, lesen Erfahrungsberichte oder suchen nach Orientierung.

Hier kommen Influencer ins Spiel. Vergleichsportale, Deal- und Ratgeberseiten, sowie spezialisierte Themenportale helfen Nutzern dabei, eine Entscheidung zu treffen. Sie verwandeln Aufmerksamkeit in konkrete Kaufabsicht.

Ihre Leistung ist oft entscheidend, bleibt in klassischen Last-Touch-Modellen jedoch unsichtbar.

Der Closer: Der finale Abschluss

Closer befinden sich am Ende der Journey. Sie geben den finalen Impuls und begleiten den Nutzer unmittelbar vor der Conversion.

Natürlich bleibt auch dieser Beitrag wichtig. Das Problem entsteht erst dann, wenn ausschließlich dieser Schritt vergütet wird und alle vorherigen Leistungen unberücksichtigt bleiben.

Ein erfolgreiches Tor wird schließlich auch nicht allein dem Stürmer zugeschrieben.

Warum Werbetreibende profitieren

Für Advertiser schafft ein attribuiertes Vergütungsmodell vor allem bessere Steuerungsmöglichkeiten.

Wenn die gesamte Customer Journey sichtbar wird, können Budgets präziser eingesetzt werden bzw. landen durch die attribuierte Vergütung automatisch bei den Partnern mit den größten Wertbeiträgen. Statt ausschließlich den letzten Kontaktpunkt zu belohnen, fließen Investitionen stärker in Partner, die tatsächlich zusätzliche Nachfrage schaffen, Kaufentscheidungen beeinflussen oder neue Zielgruppen erschließen.

Die Perspektive verändert sich dabei grundlegend: Nicht mehr die Frage „Wer war zuletzt da?“ steht im Mittelpunkt, sondern „Wer hat tatsächlich Wert geschaffen?“.

Dadurch entsteht ein ausgewogeneres Affiliate-Ökosystem, in dem Reichweitenaufbau, Beratung und Conversion-Unterstützung gleichermaßen ihren Platz haben.

Warum auch Affiliates gewinnen

Die attribuierte Vergütung schafft nicht nur Vorteile für Advertiser, sondern auch für die Partner selbst.

Erstmals wird sichtbar, welche Rolle ein Partner innerhalb der Customer Journey tatsächlich spielt. Statt ausschließlich auf den letzten Klick zu optimieren, können Affiliates ihren gesamten Beitrag zum Gesamterfolg nachvollziehen.

Das eröffnet neue Optimierungsmöglichkeiten:

  • Content-Partner können gezielter auf Erstkontakte und Reichweitenaufbau optimieren.
  • Vergleichs- und Beratungsangebote können ihre Rolle in der Entscheidungsphase stärken.
  • Abschlussorientierte Partner können ihre Stärke in der finalen Conversion weiterhin ausspielen und gleichzeitig neue Potenziale in früheren Phasen der Customer Journey erschließen.
  • Neue Publisher-Modelle erhalten bessere Entwicklungsmöglichkeiten, da der gesamte Wertbeitrag berücksichtigt werden kann.
  • Die Erfolgsmessung wird transparenter und differenzierter.

Statt ausschließlich auf den letzten Klick zu optimieren, können Partner ihre Stärken entlang der gesamten Customer Journey weiterentwickeln.

Die ganze Journey zählt

Die digitale Customer Journey wird immer komplexer. Neue Plattformen, neue Publisher-Modelle und verändertes Nutzerverhalten sorgen dafür, dass Kaufentscheidungen zunehmend über mehrere Kontakte hinweg entstehen.

Ein Vergütungsmodell, das ausschließlich den letzten Klick betrachtet, wird dieser Entwicklung immer weniger gerecht.

Attribuierte Affiliate-Vergütung schafft dagegen Transparenz über die tatsächlichen Wertbeiträge aller beteiligten Partner. Sie macht sichtbar, wie Introducer, Influencer und Closer gemeinsam zum Erfolg beitragen.

Fazit

Werbetreibende erhalten bessere Steuerungsmöglichkeiten. Partner gewinnen Transparenz und neue Optimierungshebel. Und der Affiliate-Kanal entwickelt sich stärker in Richtung einer wertbeitragsorientierten Zusammenarbeit.

Oder um in der Fußballsprache zu bleiben: Das Tor mag am Ende der Stürmer schießen. Ohne Vorarbeit aus Mittelfeld und Abwehr wäre es jedoch nie gefallen. Genau deshalb sollte auch im Affiliate Marketing nicht nur der letzte Klick vergütet werden, sondern der Beitrag aller, die den Erfolg erst möglich gemacht haben.