Influencer Affiliate: Die neue Performance-Währung im Marketing

– von Sebastian Menken (M2L) – 

Fangen wir ehrlich an: Influencer Marketing und Affiliate Marketing, das waren lange Zeit zwei komplett getrennte Universen. Auf der einen Seite die Reichweite, das glänzende Storytelling und die nebulöse Markenwirkung. Auf der anderen Seite die unromantische, aber messerscharfe Performance-Welt mit Tracking, Attribuierung und Abrechnung nach Ergebnis.

Doch in der Praxis verschwimmen diese Grenzen schon seit Jahren immer stärker. Was dabei entsteht, ist nicht bloß ein kurzfristiger Trend, sondern eine logische Konsequenz der Marktentwicklung: Das Influencer Affiliate Marketing. Viele Advertiser haben dieses Modell anfangs unterschätzt, aber es ist höchste Zeit für eine strategische Neubewertung.

Über den Autor

Sebastian Menken

Sebastian Menken

M2L

Sebastian Menken ist Gründer der M2L Agency GmbH und seit über 15 Jahren im Performance-Marketing tätig. Sein Fokus liegt auf Affiliate-Strategien, Influencer Affiliate Marketing, SEA und skalierbaren Performance-Setups für nationale und internationale Brands.

M2L ist Teil der ManyMinds Group. Gemeinsam mit seinem Team begleitet er Unternehmen beim Aufbau nachhaltiger Partnerprogramme. Die Arbeitsweise ist datengetrieben, transparent und performance-orientiert.

Wo das klassische Influencer Marketing an Grenzen stößt

Warum müssen wir überhaupt über eine Weiterentwicklung sprechen? Nun, wenn ich mit Marketing-Leitern spreche, höre ich oft dieselbe Frustration: Das traditionelle Influencer Marketing fühlt sich wie ein schönes, aber unberechenbares Glücksspiel an.

Es basiert auf festen Paketpreisen, ein Fixhonorar pro Story oder Post, ein Versprechen auf garantierte Reichweiten und Metriken wie Engagement oder Video-Views. Aber Hand aufs Herz: Wo bleibt da der direkte Bezug zum tatsächlichen Umsatz?

Genau diese Lücke macht den Kanal schwer vergleichbar mit anderen Performance-Kanälen und erschwert eine langfristige Effizienzsteuerung. In einer Zeit, in der jeder Euro im Budget geprüft wird, reicht „Awareness“ als alleinige Rechtfertigung einfach nicht mehr aus. Wir werden als Marketingverantwortliche nun einmal daran gemessen, welchen konkreten Beitrag unsere Kanäle zum Geschäftserfolg leisten. Und genau hier, in diesem messbaren Beitrag, liegt der Kern des Influencer Affiliate Marketings.

Die klare Definition: Was es wirklich ist

Hier müssen wir präzise sein. Influencer Affiliate ist nicht einfach nur Affiliate Marketing mit einem hübschen Foto. Und es ist auch kein Influencer Marketing, bei dem man beiläufig einen Rabattcode fallen lässt. Der Unterschied ist fundamental.

Im Kern behandeln wir Influencer hier wie klassische Publisher. Die Vergütung erfolgt leistungsbasiert, sei es über CPO, Revenue Share oder Hybridmodelle. Das gesamte Setup (u.a. Tracking, Attribution, Reporting) folgt den robusten Standards, die wir aus dem Affiliate-Bereich kennen.

Was dabei aber unbedingt erhalten bleiben muss, ist das: Der Content ist weiterhin authentisch, Creator-getrieben und kanaltypisch. Der entscheidende Unterschied ist somit die Fusion: Creator-Authentizität trifft auf messbare Performance. Nicht die pure Reichweite entscheidet über den Wert der Partnerschaft, sondern allein der nachweisbare Beitrag zur Conversion.

Warum das Modell für Influencer so attraktiv ist

„Influencer wollen Fixpreise, Affiliate lohnt sich für sie nicht.“ Dieses Vorurteil höre ich ständig. Und ehrlich gesagt, es ist differenzierter.

Ja, Top-Tier-Celebrities mit vollem Kalender mögen das Fixhonorar bevorzugen. Aber schauen wir auf die breite Basis der Creator, besonders die Mikro- und Mid-Tier-Influencer: Diese Leute kennen ihren eigenen Impact sehr genau und wissen, welche ihrer Inhalte wirklich konvertieren. Viele von ihnen suchen nicht nach dem schnellen, einmaligen Fixdeal, sondern nach einer langfristigen, unternehmerischen Beteiligung am Erfolg.

Genau das bietet ihnen der Affiliate-Ansatz: Kein Deckel auf dem Umsatzpotenzial und die Chance auf wiederkehrende Provisionen durch sogenannte Evergreen-Content. Für Advertiser ist das genial: Man kauft nicht die Katze im Sack, sondern schafft ein skalierbares Modell mit einem klar kalkulierbaren Risiko.

Tracking & Attribution: Der kritische Erfolgsfaktor

Influencer Affiliate Marketing funktioniert nur so gut wie sein Tracking.
Entscheidend ist dabei weniger das konkrete Setup (ob über ein Netzwerk oder Inhouse), sondern eine technisch saubere Integration und klar definierte Attributionsregeln. Dazu gehören transparente Vorgaben zu Cookie-Laufzeiten, Cross-Device-Effekten und der Bewertung von Post-View-Kontakten.

Ein häufiger Fehler besteht darin, Influencer Affiliate rein nach Last-Click-Logik zu bewerten und damit gegen andere Performance-Kanäle auszuspielen, ohne seine Rolle im Funnel zu berücksichtigen.

Best Practices setzen stattdessen auf dedizierte Influencer-Attribution, hybride Bewertungsmodelle (z. B. Assist-Logiken) sowie eine saubere Trennung von Gutschein-, Retargeting- und Influencer-Traffic. Nicht jeder Sale ist „neu“, aber viele sind inkrementell.

Typische Einsatzszenarien – Jenseits der Instagram-Blase

Wer bei Influencer Marketing nur an Instagram-Stories und Swipes denkt, verpasst die Realität. Das Affiliate-Modell ist längst nicht mehr auf klassische Social Posts beschränkt.

Im Gegenteil: Die wirklich erfolgreichen Anwendungsfälle finden wir auf diversen Kanälen, die eine langfristige Wirkung entfalten. Denken Sie an YouTube-Reviews mit dauerhaft eingebundenen Affiliate-Links. Oder an TikTok-Content, der mit starken „Hooks“ und klaren Call-to-Actions (CTAs) arbeitet. Auch Blogs, Vergleichsseiten und Creator-eigene Landingpages sind hervorragende Empfehlungs-Hubs. Sogar Amazon Influencer Stores und der Off-Platform Traffic sind hier wichtige Bausteine.

Der riesige Vorteil dieses Ansatzes ist, dass der erzeugte Content nicht nach 24 Stunden verschwindet, sondern über Monate oder Jahre hinweg Provisionen generieren kann.

Warum es kein „billiges“ Modell ist

Hier muss ich mit einem verbreiteten Irrtum aufräumen: Performance-Vergütung ist nicht automatisch günstiger. Wer Influencer Affiliate als reines Sparmodell sieht, wird scheitern. Starker Content hat seinen Preis.

Wenn ein Influencer im Affiliate-Modell wirklich erfolgreich ist, wird er am Ende oft mehr verdienen als über einen mageren Fixdeal. Und das ist gut so! Denn nur gute Provisionen stellen sicher, dass wir eine echte Priorisierung und Motivation bei den Creatorn erreichen.

Wer hier mit Dumping-Provisionen operiert, dem drohen die klassischen Konsequenzen: Geringe Sichtbarkeit, schlechte Platzierungen oder im schlimmsten Fall gar keine Aktivierung. Das Modell funktioniert eben nur, wenn wir es fair, partnerschaftlich und transparent aufsetzen. Es ist ein Effizienzmodell, kein Sparmodell.

Strategische Relevanz für Advertiser

Was bedeutet das nun strategisch für Advertiser? Es ist eine der seltenen Chancen, variable Kosten anstelle fixer, verplanter Budgets zu schaffen. Man erhält eine enorme Skalierung ohne den typischen Media-Deckel und kann diesen Kanal endlich seriös mit SEA oder klassischem Affiliate vergleichen.

Und was ich am spannendsten finde: Wir erhalten tiefere Einblicke in Content-getriebene Conversion-Mechaniken. Im Zusammenspiel mit Amazon & Retail Media entsteht so ein ganzheitlicher Performance-Funnel, in dem Influencer kein Fremdkörper mehr sind, sondern ein integraler Bestandteil der Strategie.

Fazit

Ist Influencer Affiliate Marketing die Allzwecklösung für jede Herausforderung? Nein, natürlich nicht. Aber es ist die konsequenteste Weiterentwicklung von zwei Welten, deren künstliche Trennung einfach nicht mehr zeitgemäß war.

Für Advertiser bedeutet das am Ende weniger Bauchgefühl und dafür mehr Steuerbarkeit und echte Performance-Transparenz. Für Creator entstehen dadurch nachhaltige Erlösmodelle und die Freiheit, unternehmerisch zu handeln.

Denn mal ehrlich: Authentizität ohne Messbarkeit skaliert nicht. Performance ohne starken Content überzeugt nicht. Influencer Affiliate verbindet beides und macht es damit zukunftssicher.